Permakultur am Treffpunkt Freizeit: Swale und essbare Hecken

Am Sonntag den 2. April war es soweit: Bei bestem Wetter haben sich einige von unseren Gemeinschaftsgärtner*innen voller Tatendrang zusammen gefunden, um einen kleinen Teil des Geländes des Treffpunkt Freizeit nach Permakulturprinzipien zu gestalten. Als erstes haben wir einen Permakultur-„Swale“, einen Be-und Entwässerungsgraben, angelegt und dann bepflanzt.
Der Swale mit parallel verlaufender Hügelhecke soll verschiedene Aufgaben erfüllen:
  • Gezielte Versickerung des Wassers, statt Überflutung des Bolzplatzes bei Starkregen.
  • Räumliche Abgrenzung der Grünfläche zum Parkplatz, um das Risiko von Unfällen mit Kindern und Autos zu reduzieren.

Ausserdem soll die den Swale begleitende Hecke:

  • eine zusätzliche Bienenweide und Lebensraum für vielfältige Tier- und Pflanzenarten bereitstellen …
  • von den Besuchern des Treffpunkts Freizeit abgeerntet werden können …
  • und dabei auch noch schön aussehen.
Den Swale haben wir mit Hilfe von zwei Werkzeugen mit Jahrtausende alter Tradition angelegt: Schlauchwasserwaage und A-Frame (A-Rahmen). Die Schlauchwaage wird alltäglich von Maurern benutzt, um Höhenunterschiede über größere Distanzen ausmessen zu können. Unsere Waage hat einen Schlauch von 20 m Länge. Das reicht, um etwa bei einem Einfamilienhaus dafür zu sorgen, dass auch wirklich alle Wände auf gleicher Höhe verlaufen und später auch die Regenrinne funktioniert.
schlauchwasserwaage

Wir benutzten die Schlauchwasserwage, um unseren Anfangspunkt links und rechts auf gleicher Höhe zu finden, so dass der Graben des Swales auf beiden Seiten auch auf gleicher Höhe am Zisternenüberlauf angelegt werden konnte. Außerdem wurde am Ende geprüft, ob die Anfangspunkte in der Mitte sowie die Enden des Swales auf gleicher Höhe waren, um dann einen Überlauf für den Swale gezielt einrichten zu können.

Um den Graben entlang seines Verlaufs auf gleich bleibender Höhe anlegen zu können, wird mit Hilfe des A-Rahmens zirkelnd die Höhenlinie ausgelotet, mit Stöcken markiert und dann ausgehoben. Mit der gleichen Technik wurden schon vor Jahrtausenden Terrassen an Bergen und Hügeln angelegt, um Erosion zu verhindern und Landwirtschaft betreiben zu können.
Durch den Swale soll das Regenwasser nicht mehr direkt aus dem Zisternenüberlauf auf den Bolzplatz laufen, sondern verlangsamt den Graben entlang geführt werden und dann an den Enden verteilt austreten.
überlaufende zisterne

Überlaufende Zisterne nach ergiebigem Landregen im Februar.

Durch die Abbremsung des Flusses im Swale kann das Wasser besser versickern und außerdem verteilt es sich über eine größere Fläche. Die Hecke, die in den erhöhten Teil des Swales, aus dem Erdaushub angelegt, gepflanzt wird, sollte nach dem Anlegen und reichlichen Mulchen also so gut wie nie mehr von Hand bewässert werden müssen.

Beim Aktionstag des Treffpunkts am 4. April wurde mit großer Unterstützung von vielen freiwilligen Helfer*innen eine weitere essbare Hecke als direkte Abgrenzung von Bolzplatz und Parkplatz angelegt. In diese Hecke und entlang des Swales sind Holunder, Felsenbirne, Kornellkirsche, Sanddorn, Hundsrose, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Flieder, Lupine, Rotklee, Frauenmantel und einiges andere gepflanzt und gesät worden.

Dieses Arrangement ist wie in der Permakultur üblich work in progress und wird in der Zukunft noch weiter optimiert werden.

Mit Hilfe der oben beschriebenen und anderer Techniken werden heute versteppte Flächen in aller Welt von teilweise mehreren tausend Fußballfeldern wieder begrünt und damit den Menschen aus der Armut geholfen. Das vielleicht beeindruckendste Beispiel hierfür ist das Loess Plateau in China. Ein interessantes Video dazu gibt es hier: https://youtu.be/8QUSIJ80n50e

Wir freuen uns auf euren Besuch,

Habib Weide und das ganze Seegarten Team

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