Ein verrücktes Winterwetterchen

Und auch der Winter 2020 zeigt sich von seiner besonders milden Seite. Temperaturrekorde im Januar, weit und breit kein Schnee und nun auch noch Orkan. Unsere Bienen stellen sich bereits auf den Frühling ein, holen Wasser und tragen bereits Pollen ein, d.h. sie brüten die neue Arbeiterinnengeneration aus, in freudiger Erwartung einer kurz bevorstehenden blütenreichen Frühlingszeit.

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Und tatsächlich blühen hier Anfang Februar bei 13 Grad die ersten Krokusse als Pollenlieferanten, die Haseln sogar schon länger als Zeigerplanze für den Beginn des Vorfrühlings, und auch die Knospen der Kornellkirschen ringsum im Neuen Garten zeigen bereits die ersten dicken gelben Blüten, die sich der Sonne entgegenstrecken.

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Dass das eigentlich alles außergewöhnlich früh im Jahr passiert, muss hier wohl nicht mehr betont werden (siehe phänologischer Kalender: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenwissen/jahreszeiten.html). Aber ist es für die Bienen denn nicht vielleicht ganz schön, dass sie nicht frieren müssen?

Eigentlich sollten die Bienen sich im Winter in einer engen Traube zwischen den Waben im Energiesparmodus zurückziehen und an einem frostfreien Tag im Februar einen Reinigungsflug durchführen, also den Darm außerhalb der Beute zu entleeren. Ja, die Bienen sind sehr reinliche Tiere. Aber die Wachsreste auf einem unter die Bienenbeute geschobenen Brett, die sogenannte Windel (Foto unten), verraten, dass die Bienen nicht nur an den Futterwaben geknabbert, sondern diesmal offensichtlich fast den ganzen bisherigen Winter durchgebrütet und dabei viel Futter verbraucht haben. Auch einzelne tote Milben sind als kleine braune Punkte zu erkennen (ein Resultat der Winterbehandlung mit organischer Oxalsäure bei diesem Volk).

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Aber der frühe Frühling birgt auch Gefahren für die Honigbienen. Ein plötzlicher Kälteeinbruch könnte zum sogenannten Futterabriss führen, d.h. die nächste Wabe, in der sich noch Futter befindet, ist dann zu weit vom Brutnest entfernt, denn die Brut möchte auch bei frostigen Aussentemperaturen über Wochen hinweg auf konstante 36 Grad beheizt werden. Aber nach einem Kälteeinbruch sieht es ja erst einmal nicht aus, und so wird es spannend, wie die Bienen mit den verfrühten Frühling umgehen, bzw. mit dem umso länger gestreckten trachtarmen Hochsommer. Eine Imkerregel lautet, dass erst ab der Blütezeit der Salweide (also die dicken gelben Weidenkätzchen) die Bienenvölker der Winter (und den Vorfrühling) überlebt haben. Wir werden berichten, wie es sich im Seegarten weiterentwickelt.