So ein Bienensommer…

Dieser Sommer war nicht nur aus meteorologischer Sicht ein besonderer, auch unsere Bienen waren außerordentlich kräftig und fleißig. Schon im Wonnemonat Mai beobachteten wir bei unseren wöchentlichen Schwarmkontrollen volle Brutnester mit nur vereinzelten Löchern für die Temperaturregulierung. Solche Brutnester versprechen vitale Arbeiterinnen für die erste Tracht und lassen sich besonders gut mit Hilfe der „Betriebsweise mit eingeschränktem Brutraum“ erzielen, bei der ausreichend aber nicht zu viel Platz für das wachsende Volk (v.a. für die Brut) geschaffen wird.

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Volle Brutnester im Mai

Aber selbst wenn ausreichen Platz vorhanden ist, kommt es in vielen Bienenvölkern im Frühsommer irgendwann zur Schwarmstimmung, d.h. Weiselzellen für neue Königinnen werden angelegt, meist an den Rändern der Waben, manchmal aber auch gut versteckt. Übersieht man auch nur eine Weiselzelle, wird schon bald ein Teil des Bienenvolkes mit der alten Königin fortziehen und ein neues zu Hause suchen. Das ist die natürliche (und auch hygienischste) Art und Weise der Bienen sich zu vermehren, weil sie alles zurücklassen und komplett neu beginnen. Und dieser Sommer bat mit seinen warmen und trockenen Flugwetter die besten Voraussetzungen dafür.

Mindestens zwei unserer Völker sind uns dieses Jahr tatsächlich entwischt, gern hätten wir die Schwärme eingefangen. Immerhin konnten wir weitere Nachschwärme verhindern. Dabei bot sich ein seltenes Schauspiel: aus den ausgebrochenen Weiselzellen schallten seltsame Quäkgeräusche. Weil diese unerwidert blieben (Tüten der alten Königin oder ihrer königlichen Schwestern), schlüpften sofort junge Königinnen und flogen kurz darauf davon. 

Königinnenschlupf

Die Obstblüte in den umliegenden Schrebergärten bot eine reichliche Frühlingstracht. Die rechtzeitig zur Kirschblüte aufgesetzten Honigräume waren im Nu gefüllt. Unter die bis zu 20kg schweren Zargen schoben wir leere Magazine mit frischen Mittelwänden, die bis zur Robinienblüte schnell ausgebaut wurden. Die Robinie ist eine weißblühende invasive Baumart, die bestens an heiße und trockene Sommer angepasst ist und sich in Brandeburg stetig verbreitet (das Holz ist aber auch perfekt geeignet um Abenteuerspielplätze und Zaunpfähle zu bauen). Tatsächlich bieten die Blüten besonders dann viel Nektar, wenn es tagsüber ca. 30°C warm ist. Für den Lindenhonig zwei Wochen darauf war es dafür wohl etwas zu trocken. Stattdessen tummelten sich viele Blattläuse auf den Lindenblättern, welche ohne gelegentliche Regenduschen reichlich Sonnentau und damit für einen gewissen braunen Blatthoniganteil sorgten.

Bei den regelmäßigen Schwarmkontrollen schnitten wir aus dem Baurähmchen die verdeckelte Drohnenbrut aus um so den Varoabefall etwas einzudämmen. Dort wo keine Brut angelegt war, wurde frischer unverdeckelter Honig eingetragen, wir probierten den ersten Scheibenhonig mit allen Anwesenden im Seegarten und genossen ihn mit wahrlicher Freude. So warm, duftend und frisch aus der weißen Wabe schmeckt man Honig nur sehr selten.

Honigraumtürme und erste Honigdegustation

Mit den sich füllenden Honigräumen wachsen die Magazinbeuten zu richtigen Türmen heran, die sich im üppigen Grün des Seegartens bestens integrieren. Als ImkerIn möchte man aber ja nicht nur Honig ernten, sondern auch für das Wohl und die Verjüngung des Volksbestandes sorgen. Schwärme bilden sich nunmal vor allem zur Mittagszeit wenn wir meist unseren Berufen nachgehen. Stattdessen bilden wir Ableger um junge Königinnen nachzuschaffen und etwas Druck aus der alljährlichen Bevölkerungsexplosion bis zur Sonnenwende zu nehmen. Dabei wird empfohlen, die Ableger (bestehend aus nur einer Wabe, auf der sich sowohl frisch gelegte Stifte als auch verdeckelte Arbeiterinnenbrut, ggfs. sogar schon eine Weiselzelle befindet) mindestens zwei Kilometer entfernt vom Muttervolk aufzustellen, um die Sammlerinnen daran zu hindern zurück in die alte Behausung zu fliegen. Wir haben dieses Jahr insgesamt vier Ableger gebildet, zwei davon an einem entfernten Standort in einem anderen Garten am Waldesrand gebracht und die anderen beiden (eines davon unserer Schaubeute) direkt neben den Muttervölkern. Das ist zwar kein statistisch signifikates Experiment, aber alle vier Völker haben junge Königinnen nachgeschafft, welche nach dem Hochzeitsflug wieder zurückgefunden haben und dann für reichlich Brut gesorgt haben, also ein voller Erfolg. Vielleicht lag es aber auch einfach an diesem Ausnahmesommer, oder aber an der Mithilfe unserer kleinen Jungimkergeneration.

Mit Nachwuchsimker bei den Ablegern im wilden Bienengarten

Der Spätsommer ist da und wir bereiten die Bienen auf den Winter und damit auf die nächste Saison vor. Wir haben zwei mal geschleudert und von den drei Wirtschaftsvölkern über 100kg Honig geerntet. Auch für die jeweils ca. 20kg Futter für den bevorstehenden Winter haben die Völker im Anschluss fast selbstständig gesorgt. Eine zweiwöchige Behandlung mit dem Nassenheider Ameisensäureverdunster (also etwa ein Brutzyklus) hält die Varoamilben soweit in Schach, dass vitale Winterarbeiterinnen heranwachsene können. Die Winterbehandlung sparen wir uns, so dass sich eine gewissen natürliche Auslese der Varoatoleranz vollziehen kann.

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Ein gutes Honigjahr!

Nachdem 2017 wenig ertragreich war, haben unsere Bienen in diesem warmen Frühjahr und Sommer umso mehr eingetragen 🙂 So konnten wir in den letzten Wochen reichlich köstlichen Honig ernten und haben so manchen Nachmittag volle Waben geschleppt, entdeckelt, geschleudert und das flüssige Gold abgefüllt.

 

Nun freuen wir uns über einen Keller voll Obst-, Robinien- und Lindenhonig.

Und dieses Jahr sogar mit neuen Etiketten! Ein großer Dank an Meike www.meira.de !

Die Bienchengruppe macht was los

Es ist Sommer im Seegarten und eine Gruppe engagierter Eltern mit Kindern zwischen zwei und fünf Jahren machte sich auf den Weg, um sich mal genauer das faszinierende Leben der Bienen anzuschauen. Denn diese haben dem Elterntreff, der „Bienchengruppe“, seinen Namen gegeben!

Ja, die Bienen sahen schon so aus, als es noch Dinosaurier gab, wie man aus Bernsteinfunden weiß. Und schon staunten die ersten Kinderaugen. Bienen verpuppen sich wie eine Raupe, die dann zum Schmetterling wird. Und in einer Bienenbeute wohnen fast halb so viele Bienen wie Menschen in ganz Potsdam…

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Aber so richtig spannend wurde es, als wir uns um die Schaubeute versammelten, um die Königin zu suchen. Zum Glück hat sie einen roten Punkt auf dem Rücken in dem regen Gewusel, und zack, schon legte sie ein Ei. Nur leider war kein Schwänzeltanz zu entdecken. Der wurde dann stattdessen als Theaterdarbietung vorgeführt.

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Und dann gab es natürlich auch noch frischen Scheibenhonig zu verkosten, so köstlich und direkt aus der Wabe geschnitten. Die Kinder entdeckten nach der süßen Stärkung den Garten für sich und die Eltern diskutierten noch ein Weilchen über die Zukunft der Bienen und Insekten im Allgemeinen.

So fühlt sich Frühling an!

Wie gut die warmen Sonnenstrahlen heute getan haben! Nicht nur uns, sondern auch den Bienen. Seit einigen Tagen wagen sie sich aus ihren Beuten und stürzen sich auf die bunten Tupfer in der sonst noch kargen Landschaft. Mit dicken Pollenhöschen fliegen sie zurück zu ihrem Volk. Und verraten uns damit, dass es anscheinend schon Brut zu versorgen gibt. Tatsächlich, als wir heute die „Frühjahrsdurchsicht“ gemacht haben, konnten wir die Brutnester deutlich erkennen 🙂

Damit sich auch Wildbienen in unserem Gemeinschaftsgarten wohl fühlen, haben wir dann gleich noch ein paar Nisthilfen angebracht. Insektenhotels und Nisthilfen sieht man ja vielerorts, doch leider oft eher gut gemeint als gut gemacht. Wichtig ist nämlich zum Beispiel, dass beim Bohren der Hölzer keine Risse entstehen. Deshalb lieber ins Längsholz bohren (abgelagertes, kein frisches Holz!) anstatt von oben in dicke Baumscheiben:

Gute Tipps für wirksame Nisthilfen finden sich zum Beispiel hier:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/bienen/13704.html

 

Die lila Kamuffel sind los!

Kurz bevor der Herbst so richtig angefangen hat, haben die lila Kamuffel (1.-3. Klässler*innen) der Evangelischen Grundschule Babelsberg uns noch einen Besuch im Garten abgestattet. Es wurden kleine Schätze im Garten gesammelt, Bienen beobachtet und viele Fragen rund um die fleißigen Tierchen geklärt. Nach einem stärkenden Picknick ging es dann wieder zurück zur Schule.

Rückblick auf die Wandel-Radtour und das Umweltfest 2017

Mit fast 40 Personen haben wir uns während der Wandelwoche aufgemacht, per pedale die Potsdamer Gemeinschaftsgärten zu erkunden. Auch ein kräftiger Regenschauer konnte uns nicht davon abhalten, die vielen bunten Orte zu bestaunen und zu erleben, wie in Potsdam der Stein des Wandels ins Rollen gekommen ist. Potsdam sollte nicht nur dafür bekannt sein, die teuersten Mieten im Osten zu haben und schick und prominent daherzukommen, sondern auch dafür, dass hier sehr viele Menschen aktiv sind, die zeigen, welche nachhaltigen Alternativen der Stadtentwicklung es gibt!

 

 

 

All das konnten wir kurz darauf beim Umweltfest an unserem Stand des Gartennetzwerks zeigen und mit vielen Menschen ins Gespräch kommen. Nebenbei wurden zahlreiche Samenkunstwerke gestaltet, Taschen und T-Shirts bedruckt und fleißig Rätsel gelöst.

Mit dem Gartennetzwerk Potsdam auf dem Umweltfest 2017

Am 17. September findet wieder das große Potsdamer Umweltfest statt.

Von 11h – 17:30h präsentieren über 90 Akteur*innen, was Potsdam und die Region in Sachen Umwelt- und Klimaschutz zu bieten haben und machen das Umweltfest mit großer Ideenvielfalt zu einem lebendigen Aktions- und Informationstags für alle – insbesondere aber für Familien und Kinder.

Umweltfest im Volkspark Potsdam - 27. September 2015 Foto: Volkspark Potsdam

Auch das Gartennetzwerk Potsdam ist mit einem Stand dabei – kommt vorbei!

Alle Infos hier:

http://www.volkspark-potsdam.de/component/option,com_eventlist/Itemid,19/func,details/month,09/year,2017/catsid,1/did,2500/

 

Der Seegarten ist Teil der Wandelwoche

11 Tage und mehr als 30 Veranstaltungen in Berlin/Brandenburg – rund um Projekte und Ideen für ein Leben und Wirtschaften, die zeigen – ein gutes Leben für alle, überall, ist möglich! Offen für alle und gegen Spende. 

Gemeinschaftliches und generationenübergreifendes Wohnen? Selbstbestimmte Bildung? Fair-Teilung von Ressourcen? Arbeiten in Selbstorganisation? Ein solidarischer Umgang mit Sorgetätigkeiten? Ökologisches und nachhaltiges Wirtschaften? Die Tragweite der eigenen Handlungen erkennen? Smoothies mit dem Rad mixen? …die Wandelwoche hat nicht auf alle Fragen Antworten.

Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung und wir sind dabei! Während einer Radtour besuchen wir viele Gemeinschaftsgärten des Gartennetzwerks Potsdam und somit auch den Seegarten.

JETZT ANMELDEN:

http://bbb.wandelwoche.org/veranstaltung/gemuese-rallye-fahrradtour-zu-den-potsdamer-gemeinschaftsgaerten/

Sommer im Seegarten

Trotz wechselhafter Witterung hat der Sommer nun wirklich Einzug gehalten in den Seegarten. Viel wurden schon abgeerntet: Unmengen an Spinat, Salat, Beinwell, Zuckerschoten, Rabarber, rote und schwarze Johannis-, Joster- und Stachelbeeren und manches mehr. Gerade die Beerensträucher trugen dieses Jahr sehr reichlich, dank des fleissigen Mulchens, nun auch mit Bambusmatten, zerschnitten beim Training der am Treffpunkt aktiven Schwertkünstler, und der frühen Gabe von kompostiertem Pferdemist. Und viel bleibt noch zu ernten: die Tomaten reifen, Kürbisse und Zuccini wuchern heran, die Kräuter sprießen.

Wunderschön ist auch dieses Jahr wieder die Vielfalt bunter, wilder Stauden wie etwa Dost, die unseren Honigbienen und vielen anderen Insekten eine reiche Weide bieten.

Da die Zeit der ergiebigen Trachten wie Robinie oder Linde nun aber vorrüber ist, werden wir bald den ersten Honig des Jahres ernten. Bis dahin kommt es bei den jede Woche anstehenden Schwarmkontrollen immer wieder zu Überraschungen. Einem unser Völker ist seine, mit drei Jahren schon sehr alte, Königin abhanden gekommen. Die Arbeiterinnen haben reichlich zapfenförmige Königinnenzellen angelegt, um darin standesgemäßen Nachwuchs heranzuziehen. Bei der letzten Kontrolle standen die ersten Blaublütigen kurz vor dem Schlüpfen. Nun hoffen wir, dass sich eine starke Königin bei den zu erwartenden Kämpfen durchsetzt und das Volk gut durch den Winter bringt.

Drei Königinnenlarven fielen bei dieser Operation aus ihren Gemächern. Eine seltene Gelegenheit, sie einmal genauer zu betrachten.

Ablegerbildung beim Gesang der Nachtigall

Der April zeigte sich dieses Jahr von seiner recht unterkühlten und wechselhaften Seite. Für die Bienen war es eine schwierige Zeit, sie konnten nur wenig ausfliegen, um die Frühtrachten wie Rosskastanie, Löwenzahn oder Obstblüte zu nutzen. Zum Glück hatten wir bei der Durchlenzung zur Sicherheit reichlich Winterfutter in den beiden überwinterten Völkern belassen, so dass sich die Immen gut entwickelt haben. Besonders eins der beiden Völker war Ende April bereits so stark und zahlreich, dass wir uns entschlossen, den Tag der Arbeit zur Bildung von zwei Ablegern zu nutzen. Das genaue Vorgehen bei dieser Form der Vermehrung von Bienenvölker hatten wir bereits letztes Jahr genauer beschrieben.

Beim Gesang der erst wenige Tage zuvor ins Havelland zugezogenen, im Seegarten ansässigen, und dazu noch auf einem Ast der Ulme direkt über den Beuten sitzenden Nachtigall bildeten wir zwei Ableger aus jeweils einer gut mit Ammenbienen besetzten Brutwabe und statteten sie mit reichlich Honigfutter und Mittelwänden zum Weiterwachsen- und bauen aus. Zum Glück fand sich am selben Tag noch ein lauschiges Plätzchen ausserhalb der Reichweite unserer Flugbienen, wo sich die zwei Jungvölker in Ruhe eine neue Königin heranziehen können. Nach mehr als einen Monat können beide dann runderneuert und hoffentlich bockstark zurück in den Seegarten ziehen.